Grachten und Grachtenhaus
 
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Grachten
Gracht ist das niederländische Wort für einen innerstädtischen Kanal. Die Grachten dienten der Beförderung von Waren zu den "Pakhuizen" (Lagerhäusern), wo diese mittels "hijsbalken" (Hebebalken) in die mehrstöckigen Bauten gehoben wurden. Später wurden auch reine Wohnbauten an Grachten errichtet. Insbesondere die Heren-, Keizers- und Prinsengracht in Amsterdam sind bekannt. Sie entstammen der Stadterweiterung der frühen Neuzeit. Die Reihenfolge (von innen nach außen: Herren - Kaiser - Prinz) der Grachtennamen zeigt die schon damals antiautoritäre bürgerliche Haltung der Stadt, die den Prinzen (den "Landesvater") ganz nach außen verschob.
 
Grachtenhäuser
Das Grachtenhaus entstand in den Hafenstädten der Niederlande als Wohn-, Kaufmanns- und Lagerhaus.
Bauform und Funktion
Die teuren Grundstücke entlang der Grachten wurden in schmale Parzellen geteilt, sodass die Bauten meist nur drei Fensterachsen haben. Reiche Bürger konnte sich aber auch sog. "doppelte Parzellen" leisten, die dann sechs Achsen hatten, was jedoch - wie bei der
Casa Bartolotti von Hendrik de Keyser - zu einem Problem beim Ausbilden der Symmetrieachsen wurde.
Die unteren Geschosse dieser Häuser waren meist dem Gewerbe vorbehalten, und da die tragenden Mauern die seitlichen waren, konnte man hier im Haupt- und Zwischengeschoss die Fassaden einfach nur mit Holz und Glas schließen, sodass sie sich Veränderungen leicht anpassen ließen.
Darüber und/oder dahinter folgten die Zimmer der Wohnung. Darüber befanden sich Speicherräume, die durch Luken in der Fassade und den Hebebalken zugänglich wurden. Die Ware wurde an der Fassade über ein an einer Rolle laufendes Tau hochgezogen. Diese Technik entwickelte sich nicht nur aufgrund der schmalen Treppenhäuser so, sondern es war auch wesentlich einfacher, als die Gegenstände über die Stufen zu tragen. Noch heute wird dieses System bei Umzügen gern benutzt und auch Neubauten sind mit Hebebalken versehen. Dieses Hochziehen von Lasten mag auch ein Grund sein, weshalb die Fassaden sich häufig leicht nach vorn neigen (was sicher beabsichtigt ist), es mag aber gleichermaßen der Ästhetik und der Gewohnheit entspringen, waren doch die älteren Holzhäuser (wie bei Fachwerk üblich) geschossweise nach vorn versprungen.
Giebel
Je nach sozialem Stand des Bewohners, aber auch nach erhofften Mieteinnahmen, wurde der Bau mehr oder weniger reich verziert, was insbesondere in der Giebelzone seinen Niederschlag fand.
Die einfachste Form ist der Schnabelgiebel, dessen schräge Kanten dem Verlauf des Satteldachs folgen.
Zwar blieb der gotische Treppengiebel bis ins 17. Jahrhundert populär, doch hatten sich in dieser Zeit auch längst neue Formen gebildet. Im Zuge der Renaissance, die mit den Schrägen des Daches nicht zurande kam, entstand der Halsgiebel (Philips Vingboons), bei dem die eigentliche Fassade in der Mitte gerade nach oben läuft, während die Seiten von Hausteinreliefs eingenommen werden. Diese nennt man "klaauwstukken" oder Giebelvoluten, auch wenn hier im Barock - anstelle der in der Renaissance wirklich beliebten Voluten - beispielsweise Reliefs mit Delphinen oder Adlern gebildet werden. Eine weitere Form dieser Zeit ist der Glockengiebel, bei dem die Fassade im Giebelbereich konkav einschwingt. Auch hier werden seitlich Hausteindekorationen angefügt. Diese Dekorationen folgen den verschiedenen Moden wie Louis-quatorze, Louis-quinze und Louis-seize. Gegen Ende des 18. Jahrhundert setzte sich auch hier der Klassizismus durch und die Fassaden mit horizontalem Abschluss (Gebälk oder Balustrade) häufen sich. Oft sitzt ihnen in der Mitte noch eine kleine Erhöhung (teilweise als Figur, aber auch als reine Dekorationsform) auf, hinter der sich die Spitze des Dachs verbirgt. Die tieferen Schrägen werden durch Erhöhen der Fassade oder durch Variationen im Dachaufbau ausgeglichen.
 
Hausboot
Als modernere Form der Grachtenwohnung hat sich das Hausboot etabliert, das nur genehmigt wird, wenn es (theoretisch) noch in der Lage ist unter den fest errichteten Brücken hindurch aus der Stadt hinaus zu fahren.

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